Freie Waldorfschule Aachen

Leitlinien der Freien Waldorfschule Aachen

Unsere Schule  versteht sich als Gesamtschule eigener pädagogischer Prägung und steht allen Schülern offen, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, ihrer Nationalität, Religion, ethnischen Herkunft oder ihres Geschlechtes. Sie unterrichtet alle Begabungen in nach Möglichkeit nicht leistungsdifferenzierten Jahrgangsklassen. Die Waldorfschulzeit umfasst 12 Klassen. Die 12. Klasse schließt mit dem Waldorfschulabschluss ab, alle anderen staatlichen Abschlüsse können an unserer Schule ebenso erworben werden. Eine 13. Klasse bereitet gezielt auf das Zentralabitur vor.

Die uns anvertrauten Kinder wollen wir in ganzheitlichem Sinn bilden und erziehen. Wir wollen sie zu kritikfähigen und urteilssicheren Persönlichkeiten heranbilden, die selbstbestimmt ihren Lebensweg finden. Unsere Absolventen sollen mündige Mitglieder unserer Gesellschaft werden.

Die pädagogischen Grundlagen dazu bilden die Anregungen Rudolf Steiners über die Entwicklung des heranwachsenden Menschen. Diese von Steiner gegebenen Hinweise stellen wir in den Zusammenhang einer sich wandelnden Gesellschaft. Die wöchentlich stattfindende Pädagogische Konferenz dient als Rahmen zur Bearbeitung aktueller pädagogischer Fragestellungen vor dem Hintergrund der Schriften Rudolf Steiners. Das Ziel dieser Arbeit ist ein immer tieferes Verständnis des sich entwickelnden jungen Menschen in seiner physischen, seelischen und geistigen Dimension.

Wir vermitteln Lehrinhalte alters- und entwicklungsgerecht.

Besondere Kennzeichen unseres Unterrichtes:

  • Klassenverbund von der 1. bis zur 12. (13.) Klasse und ein damit verbundener stabiler Zusammenhalt von jungen Menschen, die auch schwierige Phasen ihres Heranwachsens gemeinsam durchleben.
  • Wir fördern dabei schwache und fordern starke Schüler. Methoden und Inhalte des Unterrichtes dienen vorrangig einer altersgemäßen Förderung und Entwicklung unserer Schüler. Ein „Sitzenbleiben“ ist daher nicht vorgesehen. Dies ermöglicht allen Schülern ein angstfreies Lernen.
  • Bis zur 8. Klasse führt derselbe Klassenlehrer die Klasse und unterrichtet jeden Morgen im sogenannten Epochenunterricht verschiedene Fächer.
  • Ab der ersten Klasse werden die Fremdsprachen Englisch und Französisch unterrichtet.
  • Alles Rhythmische hat an unserer Schule einen hohen Stellenwert; es ist dazu geeignet, nachhaltig die Willenskräfte des Heranwachsenden zu fördern und zu stärken, indem der Körper aktiv am Lerngeschehen beteiligt wird. Daher beginnt zum Beispiel jeder Schultag für alle Schüler stets zur gleichen Zeit und mit rhythmischen Unterrichtsformen. Zur Pflege des Erlebens rhythmisch wiederkehrender Geschehnisse gehört auch ein bewusstes Gestalten und Feiern der Jahresfeste im Schulleben.
  • Wesentliche Lehrinhalte werden in Form von Epochen unterrichtet. Dabei wird ein Thema oder ein Fach über mehrere  Wochen  täglich auf ganz unterschiedlichen Ebenen behandelt. Der Epochenunterricht erfolgt in den ersten beiden Stunden des Tages. Fächerübergreifende Epochen unterstützen das von uns als wesentlich eingeschätzte interdisziplinäre und vernetzte Lerne und Vermitteln sinnvoller Zusammenhänge.
  • Wir legen Wert auf ein bildhaftes, d.h. Innenbilder schaffendes Unterrichten, das auch die Kräfte der schöpferischen Phantasie anspricht und zudem Gesetzmäßigkeiten des Vergessens und Wieder-Erinnerns bewusst nutzt.
  • Zeugnisse werden in Textform mit detaillierten Beurteilungen geschrieben; Notenzeugnisse gibt es erst in den oberen Klassen auf besonderen Wunsch des Schülers oder bei den Abschlusszeugnissen. Wir zeigen den Schülern klar ihre Fähigkeiten und Kompetenzen auf, benennen aber auch ihre Grenzen und noch ungenutzten Potentiale. Eltern und Schüler sind dadurch immer über den Leistungs- und Entwicklungsstand im Bilde.
  • Wir streben eine umfassende und ganzheitliche Bildung an, wollen bildendes Erziehen mit der Vermittlung von Wissen verknüpfen. Neben kognitiven Fähigkeiten fördern wir Kreativität, handwerkliche, künstlerische, musische, seelische, motorische und besonders soziale Kompetenzen und die Verantwortungsfähigkeit unserer Schüler. Dem dient eine besondere methodische Aufbereitung der Unterrichtsinhalte. Außerdem werden diese Kompetenzen durch Fächer gestärkt, die den gängigen Fächerkanon um handwerklich-künstlerische Fächer erweitern, wie z.B. Eurythmie, Kupfertreiben, Schmieden, Korbflechten, Gartenbau, Schreinern, Schnitzen, Weben. Gerade diese Fächer verhelfen dazu, lebendiges und gut geerdetes Denken im Schüler zu veranlagen.
  • Eine Reihe von Praktika flankieren maßgeblich den Fächerkanon der Oberstufe (ab Klasse 9). Die Schüler erleben ein Landwirtschaftspraktikum auf einem ökologischen Bauernhof, ein Feldmesspraktikum, bei dem Vermessungsaufgaben in der Landschaft Mathematik (be)greifbar machen, ein Sozialpraktikum und eine Kunstfahrt in die Toskana.
  • Zwei Theaterspiele (in Klasse 8 und Klasse 12) fordern die Heranwachsenden dazu heraus, „spielerisch“ fremde Standpunkte einzunehmen und zugleich die innere Sicherheit zu erringen, um sich auf einer Bühne vor großem Publikum präsentieren und behaupten zu können
  • Kompetenzerwerb im Hinblick auf EDV und moderne Medien wie Internet ist uns ein wichtiges Ziel. Wir achten dabei auf einen altersgemäßen Einsatz von Computern und elektronischen Medien
  • In der 12. Klasse plant jeder Schüler selbständig eine Abschlussarbeit, deren Thema er frei wählt und die aus einem praktisch-künstlerischen sowie einem theoretischen Teil besteht. Die Ergebnisse stellt der Schüler der Schulgemeinschaft in einem öffentlichen Vortrag dar.

Selbstverwaltung

Die Freie Waldorfschule Aachen ist eine selbstverwaltete Schule in freier Trägerschaft. Sie genießt Unabhängigkeit von den Lehrplänen staatlicher Schulen. Die zentralen Prüfungen zur Abnahme der staatlichen Abschlüsse allerdings sind hier wie dort gleich. Selbstverwaltung bedeutet für uns das Gegenteil von Fremdverwaltung. Wir verzichten auf einen „Schuldirektor“, weil  frei gewählte Strukturen unseren Erziehungsauftrag begünstigen. Alle Lehrer beteiligen sich in angemessenem Umfang an der Selbstverwaltung der Schule. Wir verbessern kontinuierlich interne Abläufe und Prozesse zum Wohl aller an unserer Schule beteiligten Menschen. Ein ehrlicher und offener Umgang mit Konflikten ist uns wichtig.

Elterninitiative

Die Ursprünge unserer Schule liegen in einer Elterninitiative. Initiative und Engagement der Eltern haben eine andauernde, tragende Bedeutung in der Schule. Eine engagierte Elternschaft, die unsere besondere Pädagogik mitträgt und sich am Schulleben z.B. durch die Mitarbeit in Gremien und Vorständen beteiligt, bildet eine unverzichtbare Existenzgrundlage unserer Schule.

Ständiger Wandel

Die fortlaufende Wandlung und Verbesserung unserer Schule ist uns wichtig. Dazu zählen pädagogische Aspekte ebenso wie Fragen der Verwaltung, der Pflege des sozialen Miteinanders , des Verbrauchs  von Energie und anderen Ressourcen sowie unser Ansehen in der Region.

Dazu gehört auch die Wertschätzung und Pflege unserer Schule, die sich auf einem außergewöhnlich schönen Gelände im Süden Aachens befindet, mit altem Baumbestand, viel Platz zum Spielen, einer besonderen Architektur des Schulhauses und zwei denkmalgeschützte Bauten, die als Saalbau und Werkstattgebäude dienen.

Wir erarbeiten und nutzen kontinuierlich für uns passende Formen der Evaluation. Sie helfen Verbesserungsmöglichkeiten und Handlungsbedarf zu erkennen und garantieren so die Attraktivität unserer Schule als Lernort und Arbeitsplatz.

Eine steigende Attraktivität unserer Schule für alle Bevölkerungskreise ermöglicht trotz generell landesweit sinkender Schülerzahlen unsere geistige, soziale und wirtschaftliche Existenz.

Hinweis: Aus Gründen der Lesbarkeit wird in diesem Leitbild bewusst auf die gleichzeitige Nennung weiblicher und männlicher Formen verzichtet. Gleichwohl sind grundsätzlich beide Geschlechter angesprochen.

Stand: Februar 2012, redaktionelle Anpassung: März 2018