Musikunterricht in der Oberstufe

Ein Schwerpunkt der musikpädagogischen Arbeit ab der Oberstufe (ab 8./9. Klasse) liegt auf den Bereichen Rhythmus, Ensemble, Improvisation. In Form zyklischer Wiederkehr -jedoch auch ineinandergreifend- treten diese drei Elemente musikalischen Arbeitens in sich altersgemäß wandelnder Form auf.
Musik als pädagogisches „Instrument“,aber auch als Klangkunst an sich ist in ihrer Wirkung  auf den musizierenden und hörenden Menschen komplex und vielschichtig. Im Folgenden sollen skizzenhaft einige Gesichtspunkte der drei genannten musikalischen Gestaltungsweisen im Hinblick auf ihre möglichen pädagogischen Wirkungen beschrieben werden.
Eine Schülergruppe kommt zum gemeinsamen Musizieren zusammen. Das unmittelbare Arbeiten mit dem musikalischen Element Rhythmus fordert und fördert das  soziale Miteinander. Das Erarbeiten von beispielsweise Sambarhythmen,  Formen der traditionellen westafrikanischen Rhythmussprache oder Strukturen der europäischen Minimalmusic bildet rhythmische Standfestigkeit, Taktgefühl und Formempfinden aus (auch im übertragenen Sinne). Jedes Element einer komplexen polyrhythmischen Form ist strukturbildend. Jeder Schüler übernimmt eine gestaltende Rolle für das Ganze und erlebt sich als unentbehrlich für das Gelingen des musikalisch-rhythmischen Produkts. Das gemeinsame rhythmische Spiel in der Gruppe kann Lebenskräfte wecken, verlangt Geistesgegenwart und soziale Kompetenz. Im  gemeinsamen Musizieren geht es darum, seine individuellen Fähigkeiten in konstruktiver Weise in den Dienst  einer gemeinsamen Sache zu stellen.
Wird der Rhythmus durch Harmonie und Melodie erweitert, tritt er in den Hintergrund und übernimmt eine begleitende Funktion; - er wird zur Basis. Die Zahl der beteiligten Rhythmusinstrumente nimmt ab. Das Spiel auf den unterschiedlichen Rhythmusinstrumenten soll nun differenzierter werden, der Einzelne wird nicht mehr in so starkem Maße von der Gruppe getragen, seine individuelle Verantwortung für den Verlauf des musikalischen Gestaltungsprozesses wächst. Im Rahmen der Erarbeitung von Stücken aus den Bereichen Jazz, Latin und Blues werden die Abläufe komplizierter. Die Schüler lernen die Harmonien und Melodien zu hören und entsprechend praktisch umzusetzen. Bei der reinen Rhythmusarbeit werden alle Stimmen von der ganzen Schülergruppe geübt. Im Ensemble erhält jeder seine Position, die er alleine oder mit 2 - 3 anderen Schülern ausführt. In dieser Phase können die Schüler in besonderer Weise ihre individuellen instrumentalen Fähigkeiten einbringen, da die harmonisch-melodischen Abläufe der Stücke teilweise Spezialisten erfordern.
Das Individuelle in Bezug auf die Gruppe kommt insbesondere beim Arbeiten mir musikalischer Improvisation zum Tragen. Sowohl  in der Gruppen- als  auch in der Soloimprovisation geht es um die musikalische Gestaltungsfähigkeit des Einzelnen in Bezug auf die räumlichen, situativen, musikalischen und sozialen Gegebenheiten.  Die Schüler arbeiten beispielsweise mit harmonisch gebundenen Improvisationstechniken des Jazz und des Blues, lernen modale Improvisationsformen außereuropäischer Kulturen kennen und bewegen sich in Anlehnung an Konzepte von Fritz Hegi (www.fritz-hegi.ch), Vinko Globokar (www.pfau-verlag.de)  und Lili Friedemann (www.impro-ring.de) im freien und experimentellen Klangraum.
Wie bereits einleitend  beschrieben, bringt sich dabei jeder seiner Entwicklung entsprechend gestalterisch in den musikalischen Schöpfungsprozess ein und kann sich  in einem sozialen Zusammenhang als schöpferisch erleben.
Diese skizzenhaften musikpädagogischen Betrachtungen mögen einen Einblick in einen wichtigen Teilbereich der musikalische Arbeit in der Oberstufe geben.

Donnerstagsnachmittags haben die Schüler der Klassenstufen 10 - 12 Musik als Wahlpflichtfach. Sie beteiligen sich nach freier Wahl an einem Chor, einem Orchester oder einer Ensemblearbeit mit dem Schwerpunkt Jazz und Weltmusik.

In der 11. Klasse erarbeiten sich die Schüler in einer dreiwöchigen Epoche  in praktischer (Chor, Improvisation, Interpretation, aktive Rezeption) und theoretischer Weise einen Überblick über die Entwicklung der Musik in Europa - ausgehend vom Mittelalter bis hin zur Romantik.

Im Jahr 2007 nahm die 12. Klasse, in der als Schwerpunkt die Auseinandersetzung mit der Neuen Musik angesiedelt ist,  mit einer eigenen Komposition an einem Wettbewerb für Neue Musik mit Kindern und Jugendlichen teil (www.gzmklangbruecke.de) In  Schuljahr 2008/09  hat sich ein Teil der 12. Klasse an einem Wettbewerb zum Thema Stummfilmvertonung beteiligt und den 1.Preis gewonnen.      

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