Der Unterricht

Waldorfpädagogik baut vor allem auf das Lernen im gegenseitigen Miteinander. Das Erüben sozialer Kompetenzen in einer möglichst stabilen Klassengemeinschaft von Schülern unterschiedlicher Begabung ist lebensnaher als ein notenorientiertes Lernen von Schülern derselben Begabungsbandbreite.
Das Lösen von Aufgaben in Gruppen mit unterschiedlichen Begabungen ist eine Herausforderung des Berufslebens, auf das die Schule vorbereiten will.

Im Vordergrund der Waldorfpädagogik steht die ganzheitliche Entwicklungsförderung des Kindes. Unsere Schüler werden im Unterricht am kreativen Gestaltungsprozess von Grund auf teilhaben. Anstatt mit vorgegebenen Formen zu arbeiten, die höchstens noch Lücken zum Ausfüllen bieten, ersetzen selbstgestaltete Epochenhefte weitgehend die Lehrmittel . Die Eigenständigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Schüler wird durch das selbstständige Tun in der gesamten Schulzeit gefördert.

Das Hauptziel eines guten Unterrichts ist immer ein lebendiger und rhythmisch pulsierender Austausch zwischen dem Lehrer und seinen Schülern. So wird ein Lehrer mit den Fragen seiner Schüler arbeiten, sie aber nicht sofort vollständig beantworten. Die Schüler sollen die Möglichkeit haben, sich mit den Fragen intensiv auseinander zu setzen. So können die Klassengemeinschaft und der Lehrer am nächsten Tag von einer ganz anderen Perspektive an die Frage herangehen und sie gemeinsam beantworten.

Die Schüler durchlaufen ohne Sitzenbleiben 12 Schuljahre. Diese gestärkte Klassengemeinschaft wird durch einen weiteren Punkt des Waldorfkonzepts unterstützt. Bis zur B . Klasse gibt es eine durchgehende Klassenlehrerzeit. Durch diese lange Zeit hat der Klassenlehrer die Möglichkeit zur intensiven Beobachtung und Förderung der kindlichen Entwicklungsprozesse. Nicht zuletzt wächst auch ein Vertrauensverhältnis zwischen Lehrer und Schülern.

Ab der 9. Klasse werden die Schüler ausschließlich von Fachlehrern unterrichtet. Einer dieser Fachlehrer übernimmt als Tutor die pädagogische und soziale Betreuung der Klasse und regelt die administrativen Klassenaufgaben.

Eine andere Grundlage der Waldorfpädagogik ist der Unterricht im handwerklich-künstlerischen Bereich, der ab der Mittelstufe angeboten wird. Hier werden die unterschiedlichsten Bewegungsintelligenzen ausgebildet. Denn die Förderung der künstlerischen Beweglichkeit des Körpers bildet die beste Grundlage für die Entwicklung geistiger Beweglichkeit.

Die in der Oberstufe angebotenen Praktika tragen zur lebenspraktischen Orientierung bei. Ziel des 12-jährigen Schulkonzepts (die 13. Klasse ist eine Abiturvorbereitungsklasse) ist es, dem Kind und Jugendlichen neben dem Wissenserwerb altersspezifische Entwicklungs- und Reifezeiten einzuräumen, die eine Persönlichkeitsbildung zulassen, die offen für zukünftige Anforderungen und Fragestellungen ist.